Zum Inhalt springen
YJAR
Magazin

Recruiting

Fachkräfte finden im Handwerk: Wege für 2027

7 Min. Lesezeitvon Team YJAR

Kampagnenmotiv „Entdecke, was in dir steckt.“ des Landkreises Haßberge: zwei Personen zeigen die Flyer zu Entdecker-Dates und Jobmesse

Das Wichtigste in Kürze

  • Viele gute Leute suchen gar nicht aktiv. Erreiche sie dort, wo sie sowieso sind: in Social Media, im Radio und in deiner Region.
  • Alle Wege führen auf deine Karriereseite. Sie muss am Handy funktionieren und die Bewerbung in wenigen Klicks möglich machen.
  • Schnell antworten gehört dazu: Wer eine Bewerbung eine Woche liegen lässt, verliert gute Leute.
Inhalt(12 Abschnitte)

Die Auftragsbücher sind voll, die Werkstatt auch – nur nicht mit Leuten. Die Stellenanzeige läuft seit Wochen, und das Telefon klingelt höchstens, wenn dir jemand die nächste Stellenanzeige verkaufen will. Hier liest du, welche Wege wir mit Betrieben gehen – und bekommst eine Checkliste, mit der du morgen anfangen kannst.

Du bist mit dem Problem nicht allein: Der Zentralverband des Deutschen Handwerks geht von rund 200.000 offenen Stellen im gesamten Handwerk aus (ZDH, 03.11.2025 (öffnet in neuem Tab)). Die gute Nachricht: Du kannst mehr selbst in die Hand nehmen, als es sich gerade anfühlt. Recruiting ist Marketing – nur eben für künftige Kollegen statt für Kunden.

Warum die Stellenanzeige allein selten reicht

Unsere Erfahrung: Viele gute Leute suchen gar nicht aktiv. Sie haben einen Job, sind halbwegs zufrieden und schauen in keine Jobbörse. Aber sie scrollen abends durch Instagram, hören morgens im Auto Radio und fahren jeden Tag an deinem Betrieb vorbei. Wer nur eine Anzeige schaltet, erreicht vor allem die, die gerade sowieso suchen.

Deshalb planen wir Recruiting wie eine Kampagne: erst auffallen, dann neugierig machen, dann die Bewerbung so einfach machen, dass niemand mehr eine Ausrede hat.

1. Die Hausaufgabe: Warum sollte jemand zu dir kommen?

Bevor du Geld in Anzeigen steckst, beantworte drei Fragen – ehrlich, nicht fürs Hochglanzprospekt:

  • Was ist bei euch anders als im Betrieb nebenan? Team, Projekte, Werkzeug, Arbeitszeiten, Weiterbildung, Firmenwagen, kurze Wege?
  • Wer arbeitet gern bei dir – und warum? Frag dein Team. Die Antworten sind meistens besser als jeder Werbetext.
  • Was ist nicht so toll? Baustelle bei Nieselregen gehört im Handwerk dazu. Wer offen damit umgeht, wirkt glaubwürdig und bekommt eher Bewerbungen von Leuten, die wirklich passen.

Aus den Antworten entsteht deine Arbeitgeber-Botschaft: zwei, drei Sätze, die stimmen. Das Fachwort dafür heißt Employer Branding – gemeint ist einfach, dass man dich als Arbeitgeber kennt und mag, bevor eine Stelle frei wird.

2. Eine Karriereseite, die am Handy funktioniert

Egal, wo jemand auf dich aufmerksam wird: Am Ende landet die Person auf deiner Website – oft mit dem Handy in der Hand, in der Mittagspause oder abends auf dem Sofa. Wenn dort nur „Wir freuen uns auf deine Bewerbung“ steht, war die ganze Aufmerksamkeit umsonst.

Checkliste Karriereseite

  • Eine eigene Seite pro Stelle mit einem Jobtitel, nach dem Leute wirklich suchen – „Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik (m/w/d)“ statt „Teamplayer Haustechnik“.
  • Aufgaben, Arbeitszeiten, Einsatzort: konkret und kurz.
  • Was du bietest – mit Inhalt: nicht „attraktive Vergütung“, sondern was das bei dir bedeutet.
  • Ein echtes Gesicht: eine Ansprechperson mit Foto, Durchwahl und E-Mail.
  • Bewerbung in wenigen Klicks, auch am Handy. Kein Anschreiben als Pflicht, der Lebenslauf darf nachkommen.
  • Echte Fotos und Videos aus deinem Betrieb statt Stockbilder mit Models im Blaumann.
  • Ausbildung extra: Was lernt man bei dir, wer betreut die Azubis?

Ein Beispiel aus unserer Arbeit: Beim Website-Relaunch für das Sanitätshaus mannl + hauck (öffnet in neuem Tab) mit Standorten in Haßfurt, Coburg, Nürnberg und Bad Kissingen haben wir einen eigenen Karrierebereich gebaut. Die offenen Stellen kommen direkt aus dem Bewerbermanagement des Unternehmens und lassen sich filtern und durchsuchen – niemand muss Stellen doppelt pflegen. Mehr dazu in unserer Fallstudie zu mannl + hauck.

3. Stellenanzeigen, die man zu Ende liest

  • Neutral ausschreiben: Eine Stelle darf nicht diskriminierend ausgeschrieben werden (§ 11 AGG (öffnet in neuem Tab)). Üblich ist der Zusatz „(m/w/d)“.
  • Erst die Person, dann die Firma: Beginne mit dem, was Bewerber bei dir bekommen – nicht mit dem Gründungsjahr.
  • Kurz und konkret: Aufgaben und Anforderungen in wenigen Punkten. Trenne „muss“ von „wäre schön“ – sonst schreckst du gute Leute ab, die nur fast alles mitbringen.
  • Gehalt: Eine Spanne in der Anzeige spart beiden Seiten Zeit.
  • Ein klarer nächster Schritt: „Ruf Petra direkt an“ oder „Bewirb dich mit drei Klicks“ wirkt besser als ein Absatz über Unterlagen in Papierform.

4. Social Recruiting: Dein Team ist die beste Werbung

Auf Instagram, Facebook oder TikTok erreichst du genau die Leute, die gar nicht suchen. Was dort ankommt, sind nach unserer Erfahrung keine gestellten Gruppenfotos, sondern echte Einblicke. Ideen, die du sofort umsetzen kannst:

  • Team in 15 Sekunden: Jeder sagt Name, Job und das Lieblingswerkzeug.
  • Ein Tag als Azubi: vom ersten Kaffee bis zum Feierabend.
  • Vorher/nachher: Baustelle am Morgen, fertiges Bad am Abend.
  • Fragen an die Geschäftsführung: Was verdient man in der Ausbildung? Gibt es Überstunden? Ehrliche Antworten schlagen jeden Slogan.

Mit bezahlten Anzeigen erreichst du zusätzlich Leute in deiner Region, die dir noch nicht folgen. Schau vorher in die Werberichtlinien der Plattform: Für Stellenanzeigen gibt es dort teils eigene Vorgaben. Wie Reels mit dem eigenen Team aussehen können, zeigt zum Beispiel der Fahrradhändler bike-store – gedreht direkt im Laden, mit Leuten aus dem Team (zur Fallstudie).

Wichtig: Wer Teammitglieder fotografiert oder filmt und das veröffentlicht, braucht ihre Einwilligung (§ 22 KUG (öffnet in neuem Tab), dazu kommt der Datenschutz). Hol sie schriftlich ein und erklär, wofür die Aufnahmen genutzt werden. Und niemand muss vor die Kamera: Manchmal reichen Hände, die zeigen, was sie können. Mehr dazu in Reels mit dem eigenen Team.

5. Radio: der Jobspot für deine Region

Klingt nach gestern, ist es aber nicht: Im Raum Bamberg/Forchheim hören an einem durchschnittlichen Werktag rund drei von vier Menschen ab 14 Jahren Radio (Funkanalyse Bayern 2026 (öffnet in neuem Tab)). Ein Jobspot erwischt Leute dort, wo sie gerade nicht nach Jobs suchen – im Auto, zum Beispiel auf dem Weg zu ihrem aktuellen Arbeitgeber.

Für Radsport Haus, die Bamberger Marke des Fahrradhändlers bike-store, haben wir einen Jobspot umgesetzt. Wir kümmern uns um Thema, Briefing, Freigabe und Sendeplanung, produziert wird beim Sender. Hör ihn dir auf unserer Seite Recruiting & Employer Branding an. Wie eine Radiokampagne Schritt für Schritt abläuft, steht in Radiowerbung in Franken.

6. Azubis gewinnen: früher anfangen, als du denkst

Wer erst Azubis sucht, wenn das neue Ausbildungsjahr vor der Tür steht, ist spät dran. Viele Jugendliche lernen Berufe über Praktika, Schulbesuche und Messen kennen – also dort, wo sie deinen Betrieb live erleben.

  • Biete Praktika und Schnuppertage an und mach sie auf deiner Website leicht buchbar.
  • Geh an Schulen und auf Berufsmessen in deiner Umgebung – mit Azubis, nicht nur mit der Geschäftsführung.
  • Nutze regionale Formate, die es schon gibt.

Ein Beispiel: Für den Landkreis Haßberge haben wir die Broschüre zu den Entdecker-Dates und der Jobmesse gestaltet – 92 Seiten, gedruckt und als digitale PDF. Bei den Entdecker-Dates lernen Schüler Betriebe und Berufe direkt vor Ort kennen (firstdates-jobedition.de (öffnet in neuem Tab)). Wie die Kampagne entstanden ist, steht in unserer Fallstudie Entdecker-Dates. Gibt es so ein Format in deinem Landkreis? Dann sei dabei.

7. Regional sichtbar sein

Bundesweite Jobbörsen sind groß, aber dort stehst du zwischen Konzernen aus ganz Deutschland. Für Handwerksbetriebe zählt die Nähe: Wer zehn Minuten von dir entfernt wohnt, ist oft die beste Bewerberin oder der beste Bewerber. Deshalb haben wir mit Arbeiten in Franken (öffnet in neuem Tab) ein eigenes regionales Jobportal gebaut – transparent gesagt: Es ist ein Projekt der YJAR GmbH.

8. Schnell antworten – sonst ist die Person weg

Die beste Kampagne verpufft, wenn eine Bewerbung eine Woche im Postfach liegt. Leg fest, wer Bewerbungen bekommt, wer sich meldet und bis wann. Eine kurze Eingangsbestätigung und ein Anruf in den nächsten Tagen wirken oft mehr als jede Hochglanz-Anzeige.

Deine Checkliste für morgen

  1. Team fragen: Warum arbeitet ihr gern hier?
  2. Karriereseite am eigenen Handy testen: Kommst du in drei Klicks zur Bewerbung?
  3. Eine Stellenanzeige umschreiben: konkret, neutral, mit nächstem Schritt.
  4. Einwilligungen fürs Filmen einholen und das erste Team-Video drehen.
  5. Regionale Kanäle prüfen: Radio, Jobportal, Schulen, Messen.
  6. Festlegen, wer Bewerbungen beantwortet – und wie schnell.

Lass uns draufschauen

Du willst wissen, wo es bei dir hakt? Im kostenlosen Schnellcheck gibst du den Link deiner Website ein und siehst sofort, was auffällt. Karriereseite und Kanäle schauen wir uns gern im kostenlosen Erstgespräch gemeinsam an. Mehr zu unserem Angebot: Recruiting & Employer Branding und Marketing für Betriebe & Handwerk.

Häufige Fragen

Wie finde ich Fachkräfte im Handwerk, wenn sich auf Anzeigen niemand meldet?

Geh dahin, wo die Leute sind, auch wenn sie gerade nicht suchen: Social Media mit echten Einblicken aus deinem Team, Radio in deiner Region und regionale Jobportale. Am Ende braucht es eine Karriereseite mit Bewerbung in wenigen Klicks.

Lohnt sich Social Recruiting für kleine Betriebe?

Oft ja – gerade für kleine Betriebe, weil echte Gesichter und Geschichten wichtiger sind als ein großes Budget. Ein paar ehrliche Videos aus dem Arbeitsalltag reichen für den Anfang. Die Einwilligung der gezeigten Teammitglieder brauchst du vorher.

Brauche ich eine eigene Karriereseite?

Wenn du regelmäßig Leute suchst: ja. Anzeigen, Posts und Spots führen alle dorthin – und dort muss stehen, was dich als Arbeitgeber ausmacht und wie die Bewerbung funktioniert.

Wie gewinne ich Azubis?

Früh und persönlich: Praktika und Schnuppertage anbieten, an Schulen und auf Berufsmessen gehen und Azubis selbst erzählen lassen. Regionale Formate wie Berufsmessen und Schnuppertage in Betrieben sind ein guter Einstieg.